Für Käufer
Soll ich eine Firma übernehmen, statt eine zu gründen?
Wenn Sie etwas Eigenes aufbauen wollen, aber nicht bei null anfangen müssen: ja, schauen Sie sich das ernsthaft an. Hier ist, was ich dabei gelernt habe.
Von Vincent Hendricks, Inhaber in dritter Generation, Hendricks Group
Bevor ich die Firma meiner Familie übernommen habe, bin ich im Konzern die Karriereleiter hochgestiegen. So, wie man es eben macht. Irgendwann wurde mir klar: Das Wertvollste, woran ich arbeiten konnte, gab es schon. Ein Unternehmen mit echten Kunden, echten Menschen und fünfzig Jahren Vertrauen, gegründet 1972 von meinem Großvater Eduard in Neuss. Ich habe mit 27 übernommen. Ich habe mich dabei nie wie ein Verwalter gefühlt, sondern wie ein Gründer.
Warum Übernehmen unterschätzt wird
In Deutschland feiern wir Gründer, die bei null anfangen. Aber Neugründungen sind hart: Nach Zahlen von IfM Bonn und Destatis existieren fünf Jahre nach der Gründung nur noch 38,1 % aller Unternehmen, bei Unternehmen mit Beschäftigten sind es 49,5 %.1 Rund sechs von zehn neuen Unternehmen sind nach fünf Jahren also nicht mehr da.
Wer übernimmt, startet anders. Es gibt bereits Kunden, ein Team, Prozesse, einen Ruf und einen Cashflow. Die Frage ist nicht, ob es einen Markt gibt, sondern was Sie aus dem Vorhandenen machen.
Und es gibt Auswahl. Laut DIHK-Report 2025 kommen auf jeden interessierten Übernehmer 2,4 Inhaber, die übergeben wollen. In Transport und Logistik sind es etwa vier.2
Woran Übernahmen scheitern
Der DIHK nennt die Gründe deutlich: 34 % der Interessenten scheitern an der Finanzierung, 38 % unterschätzen die Anforderungen, und 48 % finden kein passendes Unternehmen.2 Nichts davon ist Schicksal. Alles lässt sich vorbereiten.
Fünf Dinge, die ich jedem Käufer sage
1. Kaufen Sie das Unternehmen, das Sie führen können. Bewerten Sie nicht die Präsentation, sondern den Betrieb: Wer trägt die Kundenbeziehungen? Was passiert, wenn der Inhaber geht? Bezahlen Sie für das, was Sie tatsächlich übernehmen.
2. Behandeln Sie den Inhaber nicht als Verkäufer. Er entscheidet über sein Lebenswerk und über die Menschen, die bei ihm arbeiten. Wer das versteht, wird ernst genommen.
3. Klären Sie die Finanzierung früh. Sprechen Sie mit Ihrer Hausbank, bevor Sie sich verlieben. Ein Baustein kann der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge der KfW sein, mit bis zu 500.000 Euro pro Antragsteller.4 Prüfen Sie die aktuellen Konditionen direkt bei der KfW.
4. Respektieren Sie, was da ist. Dann verändern Sie, was nötig ist. Das Team beobachtet Sie vom ersten Tag an. Hören Sie zuerst zu. Aber vergessen Sie nicht, warum Sie übernommen haben: um zu bauen.
5. Suchen Sie Menschen, die es schon gemacht haben. Übernehmen ist einsam, wenn niemand um Sie herum das kennt. Genau dafür baue ich den Succession Founder Circle.
Übernehmen heißt gründen
Nachfolge heißt nicht, ein fremdes Unternehmen weiterzuführen, sondern auf einer bestehenden Basis ein eigenes aufzubauen, bereit für kommende Generationen. Gleiches Risiko, gleiches Eigentum, gleiches Recht, alles zu verändern. Die Chancen sind groß: Nach KfW Research streben bis Ende 2029 rund 545.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolge an.3
Wenn Sie überlegen, ein Unternehmen zu kaufen statt eines zu gründen, sind Sie einer von uns. Lesen Sie, was einen Succession Founder ausmacht, und seien Sie früh dabei.
Quellen