Für Inhaber

Wie finde ich einen Nachfolger für mein Unternehmen?

Die ehrliche Antwort: nicht über eine Anzeige. Sondern über Zeit, Klarheit und die Bereitschaft, einen Gründer statt eines Verwalters zu suchen.

Von Vincent Hendricks, Inhaber in dritter Generation, Hendricks Group

Ich werde oft von Inhabern gefragt, wie sie einen Nachfolger finden. Meistens kommt die Frage spät. Das Unternehmen läuft, die Kunden sind treu, das Team ist eingespielt, und irgendwann merkt man: Es gibt keinen Plan für die Zeit danach. Ich kenne die Frage auch von der anderen Seite. Mein Großvater Eduard hat Hendricks 1972 in Neuss gegründet. Ich habe die Firma mit 27 übernommen. Deshalb weiß ich, wie viel an der Frage hängt, wer als Nächstes kommt.

Warum es so schwer geworden ist

Es ist nicht nur ein Gefühl. Laut DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025 kamen auf 9.636 Inhaber, die sich bei den IHKs zur Übergabe beraten ließen, nur 4.016 interessierte Übernehmer. Das sind 2,4 Inhaber pro Interessent, die größte Lücke seit Beginn der Aufzeichnungen. In Transport und Logistik, meiner Branche, liegt das Verhältnis bei etwa 4 zu 1. 49 % der beratenen Inhaber finden keinen Nachfolger, und 38 % bereiten sich zu spät vor.1

Gleichzeitig wird die Zeit knapper. Nach KfW Research sind 57 % der Inhaber im Mittelstand 55 Jahre oder älter, mehr als zwei Millionen Menschen. Vor zwanzig Jahren waren es 20 %.2

Der Fehler: einen Verwalter suchen

Viele Inhaber suchen jemanden, der „weitermacht wie bisher“. Das klingt nach Respekt vor dem Lebenswerk. In Wahrheit schreckt es genau die Menschen ab, die ein Unternehmen tragen könnten. Gute Nachfolger wollen nicht die Möbel abstauben. Sie wollen bauen.

Nachfolge heißt nicht, ein fremdes Unternehmen weiterzuführen, sondern auf einer bestehenden Basis ein eigenes aufzubauen, bereit für kommende Generationen. Wer das als Inhaber akzeptiert, findet leichter jemanden. Denn dann sucht man keinen Erben für den Status quo, sondern einen Gründer, der auf dem aufbaut, was da ist. Ich nenne diese Menschen Succession Founder.

Wo gute Nachfolger wirklich sind

Selten auf Börsen und in Inseraten. Die besten Übernahmen entstehen über Vertrauen: über den Steuerberater, die Hausbank, die Kammer, frühere Kollegen, Kunden und Lieferanten, manchmal im eigenen Team. Nach der Auswertung des IfM Bonn zu tatsächlich vollzogenen Nachfolgen gehen 54 % an die Familie, 17 % an Mitarbeitende und 29 % an Externe.3 Fast die Hälfte geht also nicht an die Familie. Die Frage ist, ob diese Menschen überhaupt von Ihrem Unternehmen erfahren.

Was Sie als Inhaber jetzt tun können

Früh anfangen. Nachfolge ist ein Projekt über mehrere Jahre, kein Thema für das letzte Geschäftsjahr. Wer früh anfängt, hat die Wahl.

Das Unternehmen übergabefähig machen. Wenn alles an Ihnen hängt, an Ihren Kundenbeziehungen, Ihrem Kopf und Ihrer Unterschrift, dann kauft ein Nachfolger vor allem ein Risiko. Verteilen Sie Verantwortung, dokumentieren Sie, bauen Sie eine zweite Ebene auf.

Ehrlich über den Preis sprechen. Laut DIHK haben 36 % der Inhaber überzogene Preisvorstellungen, und 34 % der Käufer scheitern an der Finanzierung.1 Ein Preis, den ein Nachfolger tatsächlich tragen kann, ist mehr wert als einer auf dem Papier.

Diskret, aber nicht unsichtbar. Diskretion ist die Grundbedingung. Trotzdem muss jemand wissen, dass Sie offen für ein Gespräch sind. Sprechen Sie mit wenigen, gut ausgewählten Menschen.

Den Menschen prüfen, nicht nur das Konzept. Fragen Sie: Will diese Person bauen? Respektiert sie, was da ist? Wird mein Team ihr folgen?

Warum ich das hier aufbaue

Mit Succession Founder will ich Inhaber und Menschen zusammenbringen, die übernehmen und aufbauen wollen. Und zwar bevor ein gutes Unternehmen schließt, nur weil niemand davon wusste. Wenn Sie Inhaber sind, starten Sie mit dem anonymen Nachfolge-Check. Wenn Sie einen Nachfolger kennen, der noch nicht weiß, dass er einer ist, schicken Sie ihm diese Seite.

Quellen

  1. DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025
  2. KfW Research, Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 (Fokus Nr. 526), Januar 2026
  3. IfM Bonn, Daten und Fakten Nr. 37 (2025)