Lage

Wie steht es um die Nachfolge im Mittelstand?

Kurz gesagt: Zum ersten Mal planen mehr Inhaber, ihr Unternehmen zu schließen, als einen Nachfolger zu suchen. Das ist kein Markt. Das ist Verschwendung.

Von Vincent Hendricks, Inhaber in dritter Generation, Hendricks Group

Ich führe ein Familienunternehmen in dritter Generation. Mein Großvater Eduard hat Hendricks 1972 in Neuss gegründet, ich habe mit 27 übernommen. Wenn ich heute mit anderen Inhabern spreche, geht es früher oder später fast immer um dieselbe Frage: Wer kommt nach mir? Die Zahlen zeigen, wie viele diese Frage gerade beschäftigt. Weil dabei viel durcheinandergeht, ordne ich sie hier sauber ein.

Die wichtigsten Zahlen

Rund 114.000 Schließungen pro Jahr. Laut KfW Research planen bis Ende 2029 jährlich etwa 114.000 kleine und mittlere Unternehmen, nach dem Ausscheiden des Inhabers bewusst zu schließen, statt zu übergeben. Das ist jedes vierte. Zum ersten Mal liegen die Schließungspläne leicht über den Nachfolgeplänen.1

Rund 545.000 Nachfolgen bis 2029. Ebenfalls laut KfW streben bis Ende 2029 rund 545.000 der 3,87 Millionen mittelständischen Unternehmen eine Nachfolge an, wenn alle Inhaber ihre Pläne umsetzen. Das sind etwa 109.000 pro Jahr.1

Zweimal 186.000, mit unterschiedlicher Bedeutung. Die KfW zählt rund 186.000 Inhaber, die bis Ende 2026 aufhören und einen Nachfolger wollen.1 Das IfM Bonn zählt rund 186.000 übernahmewürdige Familienunternehmen, also solche mit ausreichend Gewinn, bei denen 2026 bis 2030 eine Übergabe ansteht, rund 37.200 pro Jahr.2 Gleiche Zahl, unterschiedliche Aussage. Wer sie zitiert, sollte sagen, welche gemeint ist.

Die Inhaber werden älter. 57 % der Inhaber im Mittelstand sind 55 Jahre oder älter, mehr als zwei Millionen Menschen. Vor zwanzig Jahren waren es 20 %.1

Es fehlen Übernehmer. Bei den IHKs kamen 2024 auf 9.636 übergabewillige Inhaber nur 4.016 Interessenten, also 2,4 zu 1. Das ist die größte Lücke seit Beginn der Aufzeichnungen. In Transport und Logistik liegt das Verhältnis bei etwa 4 zu 1, in Gastgewerbe und Handel bei über 3 zu 1.3

Familie, Mitarbeitende, Externe

Die meisten Inhaber wünschen sich eine Lösung in der Familie. Laut KfW sind es 55 %, aber 42 % ziehen auch einen Verkauf an Externe in Betracht.1 Bei tatsächlich vollzogenen Nachfolgen gehen nach dem IfM Bonn 54 % an die Familie, 17 % an Mitarbeitende und 29 % an Externe.2 Der Anteil der Familie sinkt leicht. Die Nachfolge der Zukunft kommt also immer öfter von außen.

Warum gute Unternehmen trotzdem schließen

Nicht, weil sie gescheitert sind, sondern weil niemand sie übernommen hat. Der DIHK nennt die Gründe: 38 % der Inhaber bereiten sich zu spät vor, 36 % haben überzogene Preisvorstellungen, 34 % der Käufer scheitern an der Finanzierung.3 Dazu kommt ein Bild, das ehrgeizige Menschen fernhält: der Nachfolger als Verwalter, der das Licht anlässt und die Möbel nicht anrührt.

Was sich ändern muss

Deutschland braucht nicht weniger Startups. Es braucht mehr Menschen, die übernehmen. Und es braucht ein anderes Verständnis davon, was Nachfolge ist: Nachfolge heißt nicht, ein fremdes Unternehmen weiterzuführen, sondern auf einer bestehenden Basis ein eigenes aufzubauen, bereit für kommende Generationen.

Dafür steht Succession Founder. Wenn Sie Inhaber sind, lesen Sie, wie Sie einen Nachfolger finden. Wenn Sie übernehmen wollen, lesen Sie, was Käufer wissen müssen.

Quellen

  1. KfW Research, Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 (Fokus Nr. 526), Januar 2026
  2. IfM Bonn, Daten und Fakten Nr. 37 (2025)
  3. DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025